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Nov 17
2008
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Die immer stärker fagmentierte und dynamische Nachfrage zwingt viele Unternehmen systematisch "Markets-of-one" zu bedienen, d.h. jedem einzelnen Kunden seine individuelle, für ihn optimale Problemlösung anzubieten. Denn die Kunden in einem gesättigten Markt sind nicht mehr bereit für Funktionalitäten in den angebotenen Lösungen zu bezahlen, welche sie nicht benötigen. Auf Herstellerseite führt diese Entwicklung zur Notwendigkeit die individuellen Marktanforderungen in eine funktions- und kostenorientierte Baukastenspezifikation zu übertragen. Gleichzeitig eröffnen neue IuK-Technologien und web-basierte Toolkits die Möglichkeit, die Entwicklung und das Design von (individuellen) Lösungen systematisch auf den einzelnen Kunden auszulagern. Ein derartiges Toolkit ist als Werkzeug zu verstehen, dass dem Kunden die effiziente Suche nach der für ihn optimalen Lösung ermöglicht.
In Abhängigkeit des möglichen Lösungsraums zu unterscheiden sind"Toolkits for User Innovation" und "Toolkits for User Design", wobei bei Beiden die Möglichkeit zur Kombination mit einem Ideenwettbewerb und/oder einem Fragebogen zur Datenerhebung besteht.
"Toolkits for User Innovation" gewähren dem Nutzer einen großen Lösungsraum und finden bis dato schwerpunktmäßig im Bereich schnell lebiger Konsumgüter Einsatz. Der Nutzer entwickelt frei oder orientiert an einer vom Unternehmen vorgegebenen Zielsetzung einen für das Unternehmen neuen Lösungsvorschlag. Diese Vorgehensweise erlaubt es dem Unternehmen in der frühen Phase des Innovationsprozesses latente Trends und Bedürfnisse zu identifizieren. Das wohl eindrucksvollste Beispiel für den einsatz eines "Toolkits for User Innovation", auf Basis einer eigenen Software, ist der "Lego Digital Designer". Im virtuellen Raum können Lego-Begeisterte kreative Modelle bauen. Ihnen stehen hierfür alle auch im Handel verfügbaren Steine zur Verfügung. Parallel zum virtuellen Bauen, werden die Bauanleitungen zu den Entwürfen der Nutzer von Lego gesichert.
Bei Interesse können die Lego-Fans ihre Modelle in einer Online-Community zur Bewertung durch andere Nutzer einstellen, wobei sie sich gleichzeitig damit einverstanden erklären, dass alle Rechte an iher "Entwicklung" an Lego übergehen. Anreiz hierfür bietet ein Ideenwettbewerb und die Anerkennung der Gemeinschaft. Bei Gefallen kann ein Mitglied der Community das Modell eines anderen bei Lego bestellen. Lego erhält damit weitere Informationen zu Trends, Bedürfnisstrukturen seiner Kunden und letztlich darüber ob es lohnenswert ist ein Model in den Produktkatalog aufzunehmen.

Ein anderes Beispiel ist das von Swarovski im Rahmen der Kampagne "Cristal Tattoo" in Kombination mit einem Ideenwettbewerb eingesetzte Toolkit. Durch den Einsatz des Toolkits übernahmen die Nutzer zum einen für Swarovski die Entwicklung von Motiven. Durch die Häufigkeitsbetrachtung der eingereichten Motive gelang es dem Unternehmen latente Bedürfnisse und Trends zu identifizieren. Die für interessant bewerteten Ideen sowie bei Swarovski intern bereits entwickelte Konzepte wurden im Rahmen von Real-World-Workshops mit den Gewinnern des Ideenwettbewerbs diskutiert.
Quelle: www.hyve.de
Doch nicht zwangläufig muss der Gedanke eines "Toolkit for User Innovation" durch eine eigens entwickelte Software umgesetzt werden. Um von den Potentialen eines großen Lösungsraums zu profitieren, ist vorstellbar, die Lösungssuche auch/ausschließlich über eine etablierte Software zu verfolgen. So bietet der Sportartikelhersteller Salomon im Rahmen seines "ArtworkContest", der darauf abzielt Motiv-Ideen für Skis und Snowboards zu integrieren und gleichzeitig Trends zu identifizieren, neben einem Grafiktool dem interessierten Ideengeber auch die Möglichkeit Vorschläge in etablierter Software (z.B. Adobe Photoshop) zu erarbeiten und dann über die Web-Plattform einzureichen. Eine Alternative, die oft und gerne gewählt wird, da sich damit die Chance im Ideenwettbewerb zu gewinnen erhöht.
"Toolkits for User Design" bieten dem Nutzer veglichen mit "Toolkits for User Innovation" nur einen kleinen, vom Unternehmen bereits vordefinierten Lösungsraum und sind vergleichbar mit den seit Jahren, vor allem in der Automobilindustrie eingesätzen Konfiguratoren. Neben traditionellen Begriff des Konfiguratosr, gibt es weitere Synonyme aus dem Englischen wie "Configuration System", "Co-design platform" und "Choiceboard".
Wird ein entsprechendes Toolkit im Rahmen des Vertriebs eingesetzt, kommt es im Anschluss des Innovationsprozesses im Rahmen von Mass Customization oder zur Erklärung komplexer Produkte zum Einsatz. Auf Basis der Vielzahl vordefinierter Eigenschaften konfigurieren die Nutzer als Co-Designer, die für sie ideale Lösung. Direkt an die getroffene Wahl erfolgt eine Visualisierung und nicht selten kann die konfigurierte Lösung im Anschluss daran direkt online bestellt werden kann.
Auch wenn der Kunde im Bereich von B2C den Eindruck gewinnt, er entwickelt seine individuelle Lösung, und er für dieses Erlebnis bereit ist, einen höheren Preis zu bezahlen, resultieren durch die Anwedung für ein Unternehmen keine neue Ideen. Nicht auszuschließen ist die Möglichkeit der Gewinnung von Informationen zu Bedürfnissen und Trends, auf Grundlage einer hinterlegten statistischen Auswertung.
"Toolkits for User Design" finden in verschiedenen Formen und Industrien Anwendung. Sie kommen im Bereich von B2B ebenso zum Einsatz wie in B2C Märkten. Eine Anwendungung bietet verschiedene Vorteile, welche hier näher beschrieben sind.
Beispiele für "Toolkits for User Design" aus verschiedenen Branchen sind: Faktory 121 SA (Uhren), ATB (Motoren), Linde (Chemie), Alno (Möbel/Küchen), Clopay (Garagentore), Käfer (Türen), Dürr (Maschinen), Lampertz (Schaltschränke), MyMüsli (Müsli). Zahlreiche weitere Beispiele für Konfiguratoren finden sind hier.
Vorstellbar aber ist auch der Einsatz eines "Toolkits for User Design" im Innovationsprozess. So kann ein Konfigurator sehr wohl in Verbindung mit einem virtuellen Produktest zum Einsatz kommen. Die Kunden konfigurieren, testen und bewerten die Eigenschaften eines virtuellen Produktentwurfs und bringen Verbesserungsvorschläge ein. Auch die Integration eines Fragebogens zur Erhebung von Marktdaten ist vorstellbar. Ein "Toolkit for User Design" bietet damit auch Chancen für das Marketing und die Gelegenheit, das Unternehmen als innovativ zu positionieren.

dominic
said:
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... Insbesondere bei Gebrauchs- (evtl. auch Investitions-?) gütern sollten Hersteller genau überlegen, welcher Innvationsgrad denn angestrebt wird. Ein Toolkit als eierlegende Wollmilchsau, das sowohl technische Lösungen als auch völlig neue Konzepte liefert, kann es in meinen Augen nicht geben. Prinzipiell kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass je spezifischer das (technische) Problem ist, um so weniger eignen sich Toolkits als Methode. Ein Toolkit grenzt den Lösungsraum ein und ist häufig im Umfeld von "Mass-Customization" zu finden. Hierunter fällt meist nur das Design von Produkten, nicht deren Funktion. Technische Innovationen entstehen so nicht (Es sei denn, man fasst unter einem Toolkit auch Entwicklungsumgebungen für neue Software zusammen - hier würde ich eine Ausnahme sehen - aber sind dann .net und c# Toolkits für Windows? - wohl eine akademische Diskussion ;-) ). Grundsätzlich sollte man sich wohl fragen, welche technischen Kompetenzen die Nutzer haben und wie man sie motivieren kann diese dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen (s. Jeppesen; Fredriksen: Why Do Users Contribute to Firm-Hosted Communities. Organisation Science.17(1)45-63 (2006)). Dazu sind aber individuelle Konzepte und nicht breit aufgestellte Softwareprodukte erforderlich. Ein Toolkit ist in meinen Augen nur eine Möglichkeit der Kommunikation, ob diese für das angestrebte Innovationsziel sinnvoll ist, muss man im Einzelfall entscheiden. Zudem sind Toolkits auch wenig geeignet, um Präferenzen von Kunden zu erheben. Wenn man belastbare Präferenz- und Zahlungsbereitschaftdaten erhalten möchste, sollte man aktuelle Forschung zu entsprechenden Messmethoden berücksichtigen. Man sollte immer überlegen, ob man dem Userranking von Ideen wirklich vertrauen kann und, ob man auf der Basis von Methoden, die in ihrer Validität und Reliabilität zumeist nicht mal geprüft sind, Entscheidungen über weitere Entwicklungsprojekte treffen will. |
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Robin
said:
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... Hier bekommen wir einen besonders guten Überblick über die Möglichkeiten von Toolkits. Die große Palette von Beispielen, für die Tookits zum Einsatz kommen können, ist offensichtlich im Bereich von Konsumgütern angesiedelt. Wie immer man Schmuck einordnet, interessant wäre aber auch, ob diese Toolkits auch vermehrt im Bereich von Gebrauchsgütern zum Einsatz kommen können. Meiner Ansicht nach verengt sich die Anwendbarkeit von TK mit den technischen Anspruchsvoraussetzungen für ein Produkt bspw. eines Herstellers, der Spitzenqualität im Auge hat. Der Hersteller wird sich genau überlegen müssen, welche Komponenten unverrückbar sind und welche Komponenten in den Lösungsraum des Toolkitsanwenders kommen sollen. Und welche Komponenten er überhaupt "verraten" darf! Insgesamt interessiert mich, ob jemand im Bereich von insb elektrischen Gebrauchsgütern Erfahrungen mit Toolkits for User Innovation hat. |
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